Muttigeschichten

Muttigeschichten · 05. Juli 2017
Wer, außer Partei- und Gewerkschaftsfunktionäre, seinen Urlaub unter der Sonne Bulgariens genießen dürfte oder sich eine Reise an die Schwarzmeerküste leisten könnte? Meistens wurden die ersten „Südländer-Touristen“, jung und ungebunden, als Exoten oder Abenteurer eingestuft.
Muttigeschichten · 28. Juni 2017
Die Schwierigkeiten und die Einschränkungen während des Urlaubs, die die Stimmung richtig verderben und vermasseln konnten, wurden nicht weniger. Auf dem gewünschten Flughafen, Varna oder Burgas, gelandet, gab es weitere Hürden, die mehr als staatliches Bremsmanöver, weniger als Urlaubsabenteuer eingestuft werden sollten. Das liebe Geld! Das Problem der geringeren oder festgelegten „Zahlungsmittelsummen“ bei Auslandsreisen löste man mit Flexibilität und Ideenvielfalt, die die...
Muttigeschichten · 21. Juni 2017
Das Leben ging unbesorgt weiter und die Annäherung an der neuen zweiten Heimat ebenso. Die erste Heimat war als Nebenerscheinung und Reisedestination immer präsent. Wir wurden immer gefragt, ob es möglich wäre Privatquartieren in Varna zu vermitteln. Allerdings das Geschäftsmodel hat immer gewackelt und ging nie richtig auf. Der Sozialtourismus war noch eine kleine Knospe am großen Baum der gerechten Verteilung des Wohlstandes.
Muttigeschichten · 31. Mai 2017
Teil 2 --- Teil 1 findet ihr hier Wie man aus der erlebten Geschichte entnehmen kann, die Begriffe Integration, Globalisierung und Toleranz hatten in der DDR ganz andere, überwiegend positive Bedeutung, als gegenwärtig, nämlich kollektives Zusammenleben und gegenseitige Hilfsbereitschaft. Nach der Wende hatte ich mit einer großen Vielfalt an Beschimpfungen als „dreckige Türkin“, obwohl ich immer ordentlich angezogen war, als „Zigeunerin“, für die die netten, hilfsbereiten Jungs...

Muttigeschichten · 22. März 2017
Bulgarien und Ungarn waren als Hauptlieferanten für die Obst- und Gemüseversorgung im sozialistischen Lager zuständig. In der Tat, gab es einige Jahre in denen auf dem Markt und in dem Laden auch Paletten mit Weintrauben, Pfirsichen, Aprikosen, Paprika und Auberginen zu sehen waren. Sie kamen aus diesen Ländern bis sich der Westmarkt für ihre Produkte geöffnet hatte und die Exporte gingen sofort in die entgegengesetzte Richtung, nämlich westwärts. Es geschah was, wirtschaftlich gesehen,...

Muttigeschichten · 22. März 2017
Das Kaffeetrinken als Zwischenmahlzeit am Nachmittag ist für Bulgaren in ihrem Tagesablauf keine feste Mahlzeit und daher nicht üblich. Man trinkt tagsüber zwar Kaffee, sogar viel Kaffee, aber nicht unbedingt mit einem Stück Kuchen. Nur die Damen der alten Schule treffen sich zum Klatsch und Tratsch beim Kaffeetrinken und versuchen die Zukunft ihrer Familien aus der Kaffeetasse zu lesen. Das Kaffeesatzlesen war in der DDR kaum bekannt und als purer Aberglaube belächelt. Diese...

Muttigeschichten · 15. März 2017
Nun musste der geübte tapfere DDR-Bürger sich natürlich offenbaren und gegensätzliche Erfahrungen, die meisten hätten sie nie sammeln mögen, als Ausgleich ausstoßen. Das Fremde wurde stets pragmatisch und fast ohne Annährungsversuche vernommen. Die Werktätigen in beiden Länder wollten der gegenseitigen simplifizierten Völkerverständigung auch kulinarisch nicht sonderlich nachhelfen. Aus gutem Grund! Die Bulgaren hatten sich unverzüglich zu entscheiden zwischen Mark der DDR und...

Muttigeschichten · 01. März 2017
Bei unserer Ankunft in DDR hatten wir von Leben, Sitten, Gebräuche und Sprache überhaupt keine Ahnung und selbstverständlich, obwohl wir uns nicht anmerken lassen wollten, eine sehr naive Vorstellung aus heutiger Sicht, jeder hat es sofort gemerkt, dass wir Bulgaren waren. Meine, damals noch rabenschwarze Haare, verrieten mich unweigerlich als Südländerin. Man brauchte gar nicht den Mund aufzumachen um etwas zu sagen. Heute, wenn auch in grau-melierter Form, sind sie meiner Identität zum...

Muttigeschichten · 01. März 2017
Wer kennt es nicht, man schaut sich alte Fotoalben oder Videos von früheren Zeiten an und die Mama fängt lang und ausschweifend an zu erzählen - über Geschichten die wir alle schon tausendmal gehört haben, aber dennoch immer wieder gerne hören weil sie einfach schön sind. Meine Mama ist so eine lang und ausschweifend erzählende Persönlichkeit, die sie auch am liebsten aufschreibt. Ich liebe ihre Geschichten, da sie mit viel Humor, Detail und Liebe geschrieben sind. Vor allem mag ich...